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Dieser Klassiker unter den Physikspielzeugen wurde 1946 patentiert und bis heute millionenfach verkauft. Er spielte sogar in diversen Film- und Fernseh­­pro­duktionen mit – zum Beispiel in dem Science-Fiction-Film Aliens und in zwei Folgen der Simpsons. Dieser Vogel verblüfft Wissenschaftler seit Jahrzehnten und ist einfach Kult.

Der berühmte Physiker Albert Einstein soll laut dem amerikanischen Harper‘s Magazine mehrere Tage an dem Rätsel herumknobelt haben und dennoch sei es ihm nicht gelungen, das Verhalten des Trinkvogels zu erklären. Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass der Blick auf das Innere des Vogels damals nicht möglich war, denn der Trinkvogel war vollständig mit Farbe überzogen. Allerdings soll sich Einstein  geweigert haben, die Farbe einfach abzukratzen. Er wollte das Rätsel auch so lösen. Angeblich entwickelte er eine solche Liebe zu dem kleinen Tierchen, dass er zeitlebens ein Exemplar besaß. Dies brachte dem Trinkvogel auch den Beinamen Einsteins trinkende Ente ein.

Ähnlich erfolglos wie Einstein war der amerikanische Präsident J. Edgar Hoover, ein gelernter Ingenieur, beim Versuch eine Erklärung dafür zu finden, wie der Trinkvogel funktioniert. Auch in seinem Fall berichteten die Zeitungen, dass er sich bei einem Dinner im Weißen Haus daran versucht haben soll, das Geheimnis des Trinkvogels zu lüften, jedoch ohne Erfolg. Von einem Reporter der Washington Post wurde „das verflixte Dingsbums“ zur damaligen Zeit zum besten Unterhaltungsbeitrag der Woche aus dem Regierungsviertel ernannt, nachdem er einen Trinkvogel im Büro eines Abgeordneten entdeckt hatte.

Wie funktioniert der Trinkvogel?

Der Trinkvogel besteht aus zwei Glaskugeln, die über ein Glasröhrchen verbunden sind. Der Kopf ist mit einem saugfähigen Stoff überzogen, den man befeuchten muss. Dazu kann man ihn zum Beispiel kurz in ein Glas Wasser tauchen und ein wenig abtupfen. Im Innern des Trinkvogels befindet sich eine Flüssigkeit mit einem sehr niedrigen Siedepunkt von knapp 40 Grad.

Ist der Kopf des Trinkvogels feucht, so wird man bald Zeuge eines wundersamen Schauspiels. Die Flüssigkeit im Bauch steigt langsam in den Kopf. Der Trinkvogel kippt schließlich vornüber, nur um sich kurz darauf wieder aufzurichten. Stellt man den Trinkvogel vor ihn ein Glas Wasser, in das der Schnabel eintauchen kann, so bleibt der Kopf feucht und die Bewegung des Vogels hält beliebig lange an.

Eine ganz besondere Wärmekraftmaschine

Der Trink- oder Wippvogel ist eine kleine Wärmekraftmaschine, bei der der Temperaturunterschied zwischen Kopf und Hinterteil genutzt wird, um mechanische Arbeit in Form des Wippens zu leisten. Sein Erfinder ist der Amerikaner Miles Sullivan, der sich den Trinkvogel 1946 patentiert ließ.

Im Innern des Trinkvogels befand und befindet sich in aller Regel in den billigen China-Enten noch heute das giftige Dichlormethan oder früher auch der leicht brennbare Diethylether, die beide einen ausgesprochen niedrigen Siedepunkt haben. Diese Enten haben in aller Regel das Design wie auf  dem Foto. Bei Dichlormethan liegt er bei 39,7 Grad Celsius, bei Diethylether bei 34,6 Grad Celsius. Ether wurde früher auch als Narkose- aber auch als Rauschmittel verwendet. Sowohl Dichlormethan als auch Diethylether sind heute als Inhaltstoffe verboten, auch wenn es nach wie vor Trinkvögel gibt, die damit verkauft werden.

Die Luft im Trinkvogel wird abgesaugt, so dass sich im Innern des Vogels nur die entsprechende Flüssigkeit und ihre Dämpfe befinden. Um den Trinkvogel zu starten, befeuchtet man seinen Kopf, indem man diesen in Wasser taucht. Stellt man den Trinkvogel hin, so kann man beobachten, wie die Flüssigkeit langsam in den Kopf steigt. Infolgedessen neigt sich der Vogel nach vorne und das Wippen nimmt seinen Lauf. Damit diese Bewegung anhält, muss der Schnabel des Wippvogels in ein Glas Wasser reichen können, wenn er sich nach vorne neigt. Im Einzelnen geschieht dabei das Folgende:

1. Das Wasser am Kopf des Trinkvogels verdunstet. Dadurch kühlt sich der Kopf ab.
2. Infolgedessen kondensiert ein Teil der Dämpfe im Kopf
3. Der Druck im Kopf sinkt. Flüssigkeit aus dem Hinterteil steigt bis in den Kopf auf.
4. Der Kopf der Trinkente wird so schwer, dass sie nach vorne kippt.
5. Das untere Ende des Flüssigkeitsröhrchens hebt sich über den Flüssigkeitsspiegel.
6. Eine Blase steigt durch das Röhrchen in den Kopf und verdrängt die Flüssigkeit dort.
8. Die Flüssigkeit fließt vom Kopf zurück in das Hinterteil.
9. Das Hinterteil der Trinkente wird so schwer, dass sie sich wieder aufrichtet.

Wie oft der Vogel pro Minute hin- und herwippt hängt von Luftfeuchtigkeit und Temperatur ab.

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